Wer schreibt, der bleibt!

Das Radio Kaktus Team mit Dr. Michael Rainer und Rainer Heeke

30 Jahre Bücherdorf Bredevoort und 100 Jahre Habichtshöhe: Wie zwei Freunde aus Münster das Analoge feiern.

In einer Zeit, in der Kommunikation digital und flüchtig ist, erinnert uns eine besondere Ausstellung in Münster daran, wie wertvoll das Analoge sein kann. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Straße Habichtshöhe in Münster präsentiert Dr. Michael J.Rainer eine einzigartige Sammlung: 100 Briefe aus Bredevoort von seinem langjährigen Freund Rainer Heeke.

Im Interview mit Nur Sena Bozkurt sprechen der Historiker und Radio Kaktus Mitgründer Dr. Michael J. Rainer und sein Freund der Antiquar Rainer Heeke über diese außergewöhnliche Freundschafts-Korrespondenz und die bemerkenswerte Geschichte des Bücherdorfs Bredevoort.

Mehr als nur Post: Die Ästhetik der Freundschaft

Rainer Heeke und Michael J Rainer
Rainer Heeke und Dr. Michael J. Rainer im Kaktus-Studio

Für Dr. Michael J. Rainer ist das Erhalten eines Briefes von Rainer Heeke stets ein „Traum“ und ein Moment, der „völlig elektrisiert“. Die Briefe, die zum Teil schon 30 Jahre alt sind , sind keine gewöhnlichen Nachrichten, sondern kunstvoll gestaltete Unikate.

Ein wiederkehrendes Motiv der Korrespondenz ist die „SMS aus Altenbeken“: Michael Rainer schickt seinem Freund vom Bahnhof Altenbeken eine kurze SMS, die Rainer Heeke daraufhin abschreibt, kommentiert und ihm als kunstvollen Brief mit persönlichem Kommentar zurückschickt – ein Beweis für Freundschaft in digitalen Zeiten.

 

Bredevoort: Die Rettung der Bücherkultur

Die Briefe stammen aus dem niederländischen Bücherdorf Bredevoort, wo Rainer Heeke als Antiquar lebt und arbeitet. Bredevoort feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen.

Die Idee für Bücherdörfer entstand in den 70er Jahren in Wales, als kleine Antiquariate durch steigende Mieten aus den Großstädten verdrängt wurden. Der Gedanke: Mehrere Antiquare siedeln sich in einem kleinen, leerstehenden Ort an, um so eine touristische Attraktion zu schaffen.

Obwohl das Internet nach den ersten „goldenen Jahren“ eine Krise auslöste, hat sich Bredevoort neu konsolidiert: Künstler, Galerien und Cafés kamen hinzu. Der Ort ist heute ein florierender, touristischer Ort, der zur „Auszeit von dem Alltagsstress“ einlädt.

Die Verbindung zwischen Bredevoort und der Ausstellung in Münster ist die tief verwurzelte Freundschaft von Michael J. Rainer und Rainer Heeke und ihre gemeinsame Leidenschaft für das beständige Medium Buch und den handgeschriebenen Brief.

 

Wo das Licht die Dunkelheit besiegt: Das Diwali-Fest in Münster

Von Molla Demirel

Orga Team des Diwali Fest 2025 in Münster
Die Hauptorganisator*innen v.l.nr. Shrivishnu Gurudev, Nirmal Jilla, Krishnendu Mukherjee, Avinash Shenoy, Ashwini Pai, Tusharika Mukherjee, Navami Ravindhran, Devavrata Nath

Das Diwali-Fest, in Indien als „Lichterfest“ bekannt, war dieses Jahr Schauplatz eines bedeutenden Treffens in Münster. Organisiert wurde die Veranstaltung unter der Leitung von Prof. Dr. Kulkanti Barboza vom Fachbereich Sozialwissenschaften der FH Münster. Der Saal füllte sich mit den reichen Farben der indischen Kultur und universellen Botschaften der Freundschaft.

Meine Aufgabe als Ehrengast an diesem besonderen Tag war es, das erste Licht des Festivals zu entzünden und die Eröffnungsrede zu halten. Es war mir eine große Ehre, dass die langjährige Zusammenarbeit zwischen der Hochschule und Radio Kaktus – dessen Gründer und Chefredakteur ich bin – in den Bereichen Medien, Kunst und Kultur zu einer solch freundschaftlichen Atmosphäre geführt hat.

Mit Tanz erzählte Geschichten

In dem mit rund 82 Personen voll besetzten Saal führten Kinder und Künstler aus verschiedenen Regionen Indiens die traditionellen Tänze ihres Landes auf. Volkstänze wie Garba und klassische Tänze wie Bharatanatyam und Odishi waren nicht nur ästhetisch, sondern trugen auch das kulturelle Gedächtnis und menschliche Werte in sich. Jede Figur erzählte eine Geschichte, jeder Rhythmus eine Tradition. Anschließend wurde den Zuschauern eine Diashow präsentiert, welche die Geschichte Indiens bis in die Zeit vor Christus zurückverfolgte.

„Das Licht, das wir heute zu Diwali entzünden, brennt in uns allen.“

Molla Demirel hält als Ehrengast seine Rede

In meiner Rede habe ich die universelle Bedeutung von Diwali wie folgt zum Ausdruck gebracht: „Diwali erinnert uns daran, dass das Licht die Dunkelheit, die Hoffnung die Hoffnungslosigkeit und das Gute das Böse besiegt. Dieses Fest bringt Menschen aller Herkünfte, Religionen und Kulturen zusammen, denn das Licht, das wir heute entzünden, brennt wahrlich in uns allen. In Zeiten, in denen die Welt erschüttert ist, ist Diwali ein Symbol für Frieden, Freundschaft und Neuanfänge.“

 

Der herzliche Applaus im Saal nach diesen Worten war nicht nur ein Dankeschön, sondern auch ein Echo des gemeinsamen Menschseins.

„Kultureller Reichtum ist unser gemeinsames Vermögen“

Maria Adela Salinas, Vorsitzende des Integrationsrats Münster, betonte in ihrer Rede die multikulturelle Struktur der Stadt: „In Münster leben mehr als 150 Kulturen und Sprachen, die alle zu unserem Reichtum beitragen. Wir müssen diesen Reichtum gemeinsam bewahren und pflegen.“

Diese Worte deckten sich mit einer Idee, die ich seit Jahren vertrete: Die Menschheit ist durch gegenseitiges Lernen weiser geworden. Der Mensch, der sich von der Primitivität bis zur Gegenwart entwickelt hat, hat sich durch den Kontakt mit anderen Kulturen und durch gegenseitiges Lernen verändert. Die Vielfalt der Kulturen und Sprachen ist der wertvollste Schatz der Menschheit.

Die Welt ist unser aller Zuhause

An diesem Abend strahlte das Licht von Diwali nicht nur in den Lampen, sondern auch in den Herzen der Menschen. Dieses Licht symbolisierte die gemeinsame Hoffnung, die entsteht, wenn verschiedene Sprachen, Glaubensrichtungen und Traditionen aufeinandertreffen.

Die Welt ist unser aller Zuhause. Was sie schön macht, ist unsere Vielfalt. Kulturen, Sprachen und Traditionen sind unser gemeinsames Erbe; sie zu bewahren und weiterzugeben, ist die ehrenvollste Aufgabe des Menschen.

Spannende Podiumsdiskussion beim Europäischen Tag der Sprachen

In der VHS Münster fand anlässlich des Europäischen Tages der Sprachen eine
besondere Veranstaltung statt. Im Mittelpunkt stand das Buch „Die Bedeutung
multikultureller und mehrsprachiger Bildung in der Migrationsgesellschaft“,
herausgegeben von Molla Demirel. Die Multikulturalität unserer Gesellschaft war
durch die anwesenden Gäste präsent.
Stadtdirektor Thomas Paal eröffnete den Nachmittag mit wertschätzenden Worten
an Molla Demirel. Er würdigte ihn als engagierten Schriftsteller, Dichter und Stifter
des Internationalen Kinderspielzeugmuseums sowie seine erfolgreichen Arbeiten in
den Bereichen Kultur, Kunst, Sprache und Bildung. Dabei betonte er:
„Die Vielfalt der Kulturen und Sprachen ist ein enormer Schatz und
zugleich eine große Aufgabe für das Individuum und unsere
Gesellschaft.„

Die Begrüßungsrede von Thomas Paal kann auf dieser Seite in Gänze nachgelesen werden.

 

Besonders herzlich erfolgte die Begrüßung durch Dr. İpek Wiesman, die Vorsitzende
des Kommunalen Integrationszentrums, die die Teilnehmenden mit einem
strahlenden Lächeln willkommen hieß.
Auf dem Podium teilten einige Autor:innen des Buches, Prof. Dr. Wolfgang Gieler ,
Dr. Zaira Aminova, Dr. Reinhard Stähling und Molla Demirel ihre Gedanken über Mehrsprachigkeit, Bildung und die Kraft kultureller Vielfalt.
Unter den Anwesenden befanden sich auch weitere Autor:innen und Lehrer:innen,
wie zum Beispiel Kemal Yalçın, Barbara Wenders, Dragica Schröder, Dr. Georgios
Tsakalidis, Dr. Simon Rosenberg, Helga Sonntag und weitere andere. Sie
bereicherten den Nachmittag durch einen lebendigen Austausch von Erfahrungen,
Ideen und persönlichen Eindrücken.
Die Veranstaltung machte einmal mehr deutlich, wie wichtig Frieden, Toleranz und
kulturelle Vielfalt für unsere Gesellschaft sind und fand mit den Worten von Molla
Demirel einen schönen Abschluss.
„Alle Menschen in dieser Welt sind Gäste, deswegen sollen wir alle
zusammen in Frieden leben.„

Die gesamte Podiumsdiskussion kann auf unserem YouTube Kanal nachgeschaut werden:

Wie können Projekte für eine friedliche Völkerverständigung erfolgreich funktionieren?

Die Projektlandschaft Münsters ist bunt. Auch der Kaktus Münster e.V. wirbt jedes Jahr mit neuen, gemeinnützigen Projekten für Jung und Älter. Doch was genau machen die Kakteen dort eigentlich? Welche Hürden und Erfahrungen erleben die kulturell und strukturell unterschiedlichen TeilnehmerInnen? Das und vieles mehr, erfahrt Ihr in einer besonderen Sendung – dem Projektportrait – Unsere Kaktee Nina Rohreit im Gespräch mit den Kaktus-Projektmitarbeiterinnen Roxana Raphael-Kuttig und Türkân Heinrich.
Also nicht verpassen! Am Mittwoch, 24.01.2018 um 20:04 Uhr Antenne Münster (95,4 MHz und Kabel 91,2 MHz oder online http://antennemuenster.radio.de/) einschalten. Viel Spaß dabei wünschen Eure Kakteen.