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Kaktus Münster e.V. traf sich zum Gespräch mit Jochen Köhnke, Dezernent für die Koordination von Migration und interkulturellen Angelegenheiten. Mit Kaktus Münster e.V. sprach er über die Herausforderungen und Aufgaben der Integrationspolitik.
Kaktus: "Für welche Bereiche sind Sie in Münsters Stadtverwaltung konkret zuständig und welche Aufgaben übernehmen Sie genau in ihrem Amt?"Herr Köhnke: "Das ist im Wesentlichen die Aufgabe das Migrationsleitbild umzuset-zen, das in der Stadt über knapp 4 Jahre entwickelt wurde. Dieses Migrationsleitbild beschäftigt sich hauptsächlich mit der Frage, wie wir unsere Gesellschaft für die Zukunft so ausrichten können, dass sie sich gemeinsam und friedvoll und nach Möglichkeit stark und in gegenseitiger Akzeptanz weiterentwickelt." Kaktus: "Sie haben in dem Bereich Integrationsarbeit langjährige Erfahrung. Was glauben Sie, welche Erwartungen haben die Einheimischen an die in Münster lebenden Migranten?" Herr Köhnke: "Ich glaube nicht, dass es die Einheimischen gibt im eigentlichen Sinne, weil Jeder und Jede in ihrer Biografie vollkommen unterschiedlich ist. Aber es gibt natürlich Strömungen, die man wahrnehmen kann. Es gibt die Strömung, die in die Richtung geht, dass Kommunikation erwartet wird. Das bedeutet, dass man davon ausgeht, dass man miteinander innerhalb eines sozialen Gefüges und Geflechtes umgeht. Dass man sich gegenseitig akzeptiert. Ich glaube, das sind Erwartungshalten unserer Münsteraner Gesellschaft." Kaktus: "Und wie glauben Sie, können die Migranten/Innen diesen Erwartungshaltungen gerecht werden?" Herr Köhnke: "Ich glaube, dass der Groß-teil der Migrantinnen und Migranten diesen Erwartungshaltungen schon lange gerecht wird. Das heißt eine Aufgabe an Menschen zu formulieren, die sie eigentlich schon erledigt haben, ist schwierig. Es gibt wie bei jeder Gruppe natürlich in großen sozialen Gruppierungen Stärkere und Schwächere, Menschen, die seit kurzer Zeit hier sind und Menschen, die seit langer Zeit hier sind und dementsprechend unterschiedliche Entwicklungen durchlaufen haben und bei diesen unterschiedlichen Entwicklungen gibt es deutliche Hinweise, dass entsprechende Angebote da sein sollten, damit wir gute Entwicklungen haben." Kaktus: "Was würden Sie sagen, sind die zentralen Probleme der Integrationspolitik bzw. Integrationsarbeit und mit welchen sozialen und gesetzlichen Maßnahmen kann man diesen Problemen entgegenwirken?" Herr Köhnke: "Sie können sich vorstellen, dass ich diese Frage keinesfalls umfänglich beantworten kann. Damit beschäftigen sich Herrscharen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, eine Staatssekretärin der Bundesregierung und auf Landesebene außerdem ein Minister und sein Ministerium. Wir sprechen bei der Integrationsaufgabe von einer Querschnittsaufgabe. Die andere Situation ist, Sie gestatten mir, wenn ich das sage, etwas schwierig, weil Sie von Problemen sprechen. Ich spreche von Potentialen. Ich spreche davon, dass wir tolle Leute ha-ben, und dass diese tollen Leute die Möglichkeit bekommen sollten ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zu leben, auszuleben und zum Wohle unserer Gemeinschaft genauso gut einbringen dürfen und können wie die Paohlbürger (Mitbürger, die seit vielen Generationen in einem Ort leben). Insofern sehe ich weniger Probleme als Chancen." Kaktus: "Sie sagen aber schon, dass es Probleme gibt. Gibt es da welche, die Sie konkret benennen würden und wie man denen mit politischen Maßnahmen entgegenwirken könnte?" Herr Köhnke: "Wir haben nicht so gute Entwicklungen bei den Schulabschlüssen von Jugendlichen mit Migrationsvorgeschichte. Genauso deutlich ist aber auch, dass Jugendliche mit Migrationsvorgeschichte nicht dümmer sind als Deutsche. Das heißt, wir müssen uns Gedanken machen wie wir das Potential dieser Jugendlichen so fördern können, dass sie ebenfalls gute Abschlüsse haben und in der Lage sind später gutes Geld zu verdienen, aber auch für unsere Stadt und für die Gesellschaft dienlich sind. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob unser Schulsystem so wie es praktiziert wird für Kinder und Jugendliche mit Migrationsvorgeschichte geeignet ist. Nun bin ich kein Schulpolitiker und ich bin auch kein Fachmann der Verwaltung für Schule, insofern kann ich jetzt nicht so einfach eine Antwort formulieren. Ich weiß natürlich durch meine Arbeit, dass sich die Schulpolitik und die Schulverwaltung intensiv darum bemühen neue Konzepte und Antworten auf diese Herausforderung zu formulieren und umzusetzen." Kaktus: "Gibt es konkrete Maßnahmen die Sie ergriffen haben, die die Stadt Münster ergriffen hat, um eben diese Probleme anzugehen?" Herr Köhnke: "Die Situation ist so, dass wir ein Migrationsleitbild haben und in diesem Migrationsleitbild haben wir für im Wesentlichen alle Felder des allgemeinen Lebens Ziele formuliert. Diese Ziele sind in einem sehr intensiven Prozess zwischen unterschiedlichsten, gesellschaftlich relevanten Gruppierungen formuliert worden. Und dieses Migrationsleitbild wird momentan Stück für Stück abgearbeitet. Nach diesen Zielen entstehen Konzepte für die unterschiedli-chen Bereiche und mit diesen Konzepten sind Handlungsempfehlungen verbunden, welche durch den Rat beschlossen werden müssen. Wenn sie Kosten verursachen, muss man sich noch über die Kosten unterhalten. Das Ganze ist ein dauerhafter Prozess, der nach vorne gerichtet ist." Kaktus: "Herr Köhnke, wie Ihnen bekannt ist, setzt sich Kaktus Münster e.V. im Bereich Sozial-, Bildungs- und Integrationsarbeit durch Kultur und Kunst ein. Wie sehen Sie die Rolle der Kulturarbeit für die Integrationsarbeit?" Herr Köhnke: "Wenn wir Kultur allgemein als Interkultur formulieren und annehmen, dass Kultur, im Sinne von unterschiedlichen Kulturen, innerhalb eines Kulturraumes gemeinsam zur Entwicklung von neuen Kulturen arbeitet, dann ist das ein wesentlicher Bestandteil, der Gesellschaft insgesamt ausmacht. Meinem Verständnis nach gibt es keinen Kulturbegriff, den wir festsetzen können, sondern Kultur ist etwas, das sich eigentlich stetig verändert . Die stetige Veränderung der Gesellschaft bedingt eine stetige Nachjustierung und Veränderung von Kultur. Und wenn man vor diesem Hintergrund Ihre Frage beantwortet, dann kann man eigentlich nur sagen, dass Kulturarbeit natürlich mit der Frage von gesellschaftlicher Stabilisierung einhergehen kann bzw. muss. Zumindest dann, wenn wir weiterhin ein zunehmendes Annehmen von Menschen anderer Kulturen, anderer Herkünfte in unserer Stadt wollen, was schließlich auch zum Wohle der gesamten Stadt beiträgt. Wenn man das will, dann muss man Kulturarbeit unter einem solchen Aspekt auch positiv bewerten." |