Erwartungen an einen Integrationsrat

Thomas M. Heitkämper, ehem. Koordinator für Ausländer- und Aussiedlerfragen i.B. des Schulamts der Stadt Münster, ehem. Leiter des IMAS (Informations- und Medienzentrum für Ausländer und Aussiedler im Schulamt Münster) drückt seine Reaktion auf Molla Demirels Artikel über die Erwartungen an den Integrationsrat in dem folgenden Brief aus:

 

Sehr geehrter Herr Demirel,

Ihr Engagement für das Gelingen eines zukünftigen Integrationsbeirats der Stadt Münster weiß ich sehr wohl zu schätzen, Schließlich kann ich durch unsere sehr vertrauensvolle langjährige Zusammenarbeit sehr wohl beurteilen, wie sehr Sie - natürlich auch Radio Kaktus e.V. - sich täglich bemühen, insbesondere jungen Menschen Hilfestellungen für ein gutes Leben in Deutschland, in Münster zu leisten.
Wenn nun statt eines "Ausländerbeirates" ein "Integrationsbeirat" ins Leben gerufen wird, ist das zunächst eine gute Nachricht. Schließlich sind Nachzüge aus dem Ausland stark rückläufig, während die Zahl der hier lebenden Migrantinnen und Migranten gleichbleibend, tendenziell steigend ist. Es ist müßig, an dieser Stelle darüber zu philosophieren, wann "Ausländer" aufhört und "Migrant" anfängt.
Von außerordentlicher Wichtigkeit ist aber, dass der zukünftige "Integrationsbeirat" seine Aufgabe wahrnehmen kann.
Es gilt, die berechtigten Belange der hier lebenden Ausländer, der hier bereits integrierten Menschen und der hier angestammten Bevölkerung zu erfüllen.
Das wird sicherlich keine leichte Aufgabe sein. Das erfordert von allen Mitgliedern des Integrationsbeirats ein hohes Maß an Kompetenz. Schließlich soll erreicht werden, dass in unserer Stadt (in unserem Land) ein friedliches Zusammenleben als Grundlage für eine moderne, tolerante und weltoffene Gesellschaft Wirklichkeit wird.
Dazu müssen auch alle Bürgerinnen und Bürger beitragen.
Damit das möglich werden kann, muss in besonderer Weise im Kultur- Bildungsbereich gearbeitet werden. Unseren Kindern muss das Zusammenleben mit Menschen anderer Hautfarbe, Religion und Herkunft als ganz natürlich, als ganz normal erscheinen. Menschen, die in Kindergärten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen arbeiten, haben hier eine besondere Verantwortung, der sie aber nur dann gerecht werden können, wenn sie selbst über genügend Wissen verfügen.
Integration kann nur dann gelingen, wenn Menschen andere sich integrieren lassen wollen und wenn Menschen sich selbst in eine neue Gesellschaft integrieren wollen.
Migrantinnen und Migranten bedürfen der Hilfe durch unsere Gesellschaft. Es ist - wir wissen das doch - sehr schwer, Sitten, Gebräuche, Empfindlichkeiten und vor allem Ängste der jeweils anderen Seite kennen zu lernen, verstehen zu lernen, um sie schließlich im gemeinsamen Zusammenleben ausräumen zu können.
Die Welt wird immer internationaler, das weiß jeder.
Darum:
Wir müssen gemeinsam große Anstrengungen unternehmen, dass das Zusammenleben der Menschen in unserer Stadt, in unserem Land gelingt.
Der neue Integrationsbeirat wird hier eine wichtige Institution sein,
Aber:
Es muss gelingen, der Bevölkerung deutlich zu machen, dass der Prozess der Integration in allen Bereichen unseres Lebens stattfinden muss und keinesfalls ein "Gnadenbeweis" für die bei uns lebenden "Ausländer" darstellt,
sondern im Gegenteil:
Gelungene Integration bedeutet für uns alle eine hervorragende Zukunftsperspektive - in kultureller sowie in wirtschaftlicher Hinsicht!

Ich hoffe, dass die Wahlbeteiligung sehr hoch sein wird. Bitte machen wir den Wählerinnen und Wählern klar, wie wichtig es für uns alle ist, dass Migrantinnen und Migranten an den politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Prozessen in unserer Stadt teilnehmen, Freuden, aber auch Sorgen und Nöte mit uns teilen.

Ich hoffe, dass gute und kompetente Menschen gewählt werden, die dieser Aufgabe gewachsen sind.

Thomas M. Heitkämper
ehem. Koordinator für Ausländer- und Aussiedlerfragen i.B. des Schulamts der Stadt Münster
ehem. Leiter des IMAS (Informations- und Medienzentrum für Ausländer und Aussiedler im Schulamt Münster)
 

Radio-Kaktus Münster e.V.